Stadtkurs mit Vorbildwirkung: ADAC Saarland gewinnt DMSB-Nachhaltigkeitspreis 2025
Der DMSB-Nachhaltigkeitspreis 2025 wurde beim DMSB-Kongress an den ADAC Saarland e. V. verliehen. Die Jury würdigte damit einen Veranstalter, der den Nachhaltigkeitsgedanken nicht punktuell, sondern als durchgängiges Prinzip in die Planung und Durchführung einer internationalen Motorsportveranstaltung integriert hat.Dr. Karl-Friedrich Ziegahn, Präsidialbeauftragter des DMSB für Umwelt und Nachhaltigkeit, hob in seiner Laudatio hervor: „Das Projekt überzeugt durch einen strategischen und ganzheitlichen Ansatz, bei dem die Summe aller Einzelmaßnahmen einen echten Mehrwert ergibt. Besonders bemerkenswert ist die sorgfältige Analyse jedes einzelnen UN-Nachhaltigkeitsziels und dessen Abbildung auf die gesamte Veranstaltung – das ist in dieser umfassenden Betrachtung im Motorsport bisher einzigartig.“
Ziegahn betonte zudem, dass der ADAC Saarland „die soziale Dimension ebenso konsequent berücksichtigt wie die ökologischen und ökonomischen Aspekte“ und damit gezeigt habe, dass Nachhaltigkeit im Motorsport weit über reine Umweltauflagen hinausgeht. Mit der Auszeichnung würdigt der DMSB ein langjährig etabliertes Motorsportevent, das seine organisatorische Reife genutzt hat, um seine Wirkung in Richtung Nachhaltigkeit systematisch auszuweiten.
Das Event im Kontext: Stadtkurs, Akzeptanz, Weiterentwicklung
Der Grand Prix von Deutschland in St. Wendel ist ein außergewöhnliches Motorsportereignis. Als einziger SuperMoto-WM-Lauf, der vollständig im Stadtgebiet stattfindet, stellt er besondere Anforderungen an Organisation, Logistik und Kommunikation. Über mehrere Tage hinweg verwandelte sich das saarländische Mittelzentrum in eine internationale Motorsportarena – mit hoher Zuschauerresonanz und großem medialem Interesse.
Diese Lage im urbanen Raum bedeutete für den ADAC Saarland e. V. als Veranstalter eine besondere Verantwortung. Der Aufbau von Fahrerlager, Zuschauerbereichen und Streckenteilen auf öffentlichen Straßen erforderte eine enge Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung, Anwohnern, Gewerbetreibenden und örtlichen Vereinen. Akzeptanz, Dialog und gegenseitiges Vertrauen waren entscheidende Voraussetzungen, damit eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich gelang.
Vor diesem Hintergrund entstand der Entschluss, die Veranstaltung systematisch im Nachhaltigkeitskontext zu analysieren. Ziel war es, bestehende Stärken sichtbar zu machen, Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und auf dieser Basis gezielt neue Maßnahmen zu entwickeln. Dieser Ansatz erwies sich als Schlüssel, um ökologische, ökonomische und soziale Aspekte miteinander zu verbinden – und die SuperMoto St. Wendel als Beispiel dafür zu positionieren, wie nachhaltiger Motorsport in einem städtischen Umfeld gelingen kann.
Ganzheitliche Ausrichtung an den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen
Im Zentrum des Projekts stand die konsequente Orientierung an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs). Der ADAC Saarland überprüfte für jedes dieser Ziele, in welchem Maße die Veranstaltung einen Beitrag leisten konnte – und wies für 15 der 17 UN-Ziele konkrete Wirkungen oder Maßnahmen nach.
Diese systematische Herangehensweise war im Motorsport bislang einzigartig. Anstatt Nachhaltigkeit auf ökologische Themen wie Energie, Abfall oder Emissionen zu beschränken, wurde ein ganzheitlicher Ansatz gewählt, der ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichberechtigt behandelte.
Dr. Karl-Friedrich Ziegahn betonte in seiner Laudatio, dass gerade diese umfassende Sichtweise den Kern des Projekts ausmache: „Der ADAC Saarland hat gezeigt, dass nachhaltiger Motorsport mehr ist als Umweltschutz. Das Projekt verknüpft ökologische Verantwortung mit sozialer Teilhabe und wirtschaftlicher Vernetzung – und beweist damit, dass Motorsport gesellschaftlich relevant und zukunftsfähig bleibt.“
Soziale Dimension und Inklusion als Besonderheit
Eine der größten Stärken des Projekts lag in seiner sozialen Dimension. Der ADAC Saarland band rund 200 bis 300 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in die Organisation ein – nicht nur aus Motorsportclubs, sondern auch aus Fußball-, Obst- und Gartenbauvereinen sowie anderen lokalen Gruppen. Diese breite Beteiligung schuf einen lebendigen sozialen Raum, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam an einem Großereignis arbeiteten.
Auch das Thema Chancengleichheit und Inklusion wurde beim SuperMoto St. Wendel konsequent gelebt. So konnte im Rahmen der Veranstaltung ein querschnittsgelähmter Fahrer an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen – ein starkes Zeichen für Teilhabe im Motorsport. Darüber hinaus standen barrierefreie Parkplätze und ausgewiesene Zuschauerbereiche zur Verfügung, die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Besuch erleichterten.
Ein besonders innovativer Schritt war die Einbindung der MEDICLIN Bosenberg Klinik: Durch die Kooperation wurde der Streckenkommentar auch für hörgeschädigte Besucherinnen und Besucher verfügbar gemacht – ein bislang einmaliges Angebot im deutschen Motorsport.
Zudem lebte die Veranstaltung Gleichstellung innerhalb der Organisationsstruktur. So waren Funktionen auch mit Frauen besetzt, wodurch Vielfalt und Diversität in der Veranstaltungsleitung sichtbar wurden.
Ökologische Maßnahmen im urbanen Motorsport-Setting
Auch in ökologischer Hinsicht setzte die Veranstaltung Maßstäbe. Durch die Lage im Stadtgebiet stand der ADAC Saarland vor der Herausforderung, Motorsport und Umweltschutz in Einklang zu bringen. Der Schlüssel lag in der konsequenten Nutzung bestehender Infrastruktur: Fahrerlager, Wasser- und Stromversorgung sowie das Abwassersystem wurden in die örtlichen Gegebenheiten integriert, anstatt temporäre Anlagen zu errichten.
Im Rahmen der Umweltbestimmungen von FIM und DMSB kamen lizenzierte Umweltbeauftragte zum Einsatz, die die Einhaltung der Auflagen überwachten – etwa bei der Nutzung von Umweltmatten, der Ausweisung von Motorradwaschplätzen und der korrekten Entsorgung von Betriebsstoffen.
Ein herausragendes Beispiel für Kreislaufwirtschaft war die Kooperation mit der Pyrum Innovations AG, deren spezielles Thermolyseverfahren Altreifen aufbereitete und wiederverwertbar machte. Zusätzlich wurde die fachgerechte Altölentsorgung sichergestellt, und die gesamte Veranstaltung setzte auf eine strukturierte Mülltrennung. Darüber hinaus verzichtete der Veranstalter vollständig auf Einweggeschirr in der Helferverpflegung und reduzierte den Verbrauch von Printprodukten zugunsten digitaler Kommunikationsmittel. Organisationssitzungen wurden weitgehend online abgehalten, um unnötige Reisebewegungen zu vermeiden.
Ökonomische und regionale Wertschöpfung
Die Veranstaltung war zugleich ein starker Motor für die regionale Wirtschaft. Der ADAC Saarland arbeitete bewusst mit Partnern und Dienstleistern aus der Region zusammen – von technischen Betrieben über Hotellerie und Gastronomie bis hin zu Handwerks- und Logistikunternehmen. So floss ein erheblicher Teil der Veranstaltungsausgaben direkt in die lokale Wertschöpfungskette und trug zur Sicherung regionaler Arbeitsplätze bei.
Auch die dauerhafte Etablierung des SuperMoto St. Wendel spielte eine Rolle für die ökonomische Nachhaltigkeit. Das Event war nicht auf kurzfristigen Erfolg ausgerichtet, sondern auf eine langfristige Verankerung im Veranstaltungskalender und im öffentlichen Bewusstsein. Dadurch entstanden verlässliche Partnerschaften zwischen Veranstalter, Stadt und Wirtschaft, die weit über den Eventzeitraum hinaus wirkten.
Kooperationen und Governance
Die Kooperation mit Dachverbänden, Promotoren, Behörden und lokalen Partnern gehört im Motorsport traditionell zum „Alltagsgeschäft“. Der ADAC Saarland integrierte diesen für Motorsportler selbstverständlichen Teil bewusst in sein Nachhaltigkeitskonzept und machte damit sichtbar, dass der Sport per se in vielen Bereichen bereits einen Beitrag zu den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung leistet – etwa durch internationale Zusammenarbeit, verbindliche Regularien, Sicherheitssysteme und qualifizierte Ausbildung.
Neben dem DMSB als nationalem Dachverband waren die FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme), die FIME (Fédération Internationale de Motocyclisme Europe), der WM-Promotor XIEM sowie die Stadt St. Wendel zentrale Akteure. Diese Kooperationen gewährleisteten nicht nur sportliche Qualität, sondern auch die Einhaltung internationaler Umwelt- und Sicherheitsstandards.
Best Practice für den ganzen Motorsport
Das Konzept des ADAC Saarland zeigt, wie Nachhaltigkeit im Motorsport konkret umgesetzt werden konnte – auch jenseits klassischer Umweltmaßnahmen. Viele Elemente lassen sich direkt auf andere Veranstaltungen übertragen: die Nutzung vorhandener Infrastruktur, die Einbindung lokaler Vereine und Unternehmen, die konsequente Mülltrennung, digitale Organisationsprozesse oder die barrierefreie Gestaltung von Zuschauerangeboten.
Ebenso wertvoll ist der Ansatz, eine Veranstaltung als Ganzes zu betrachten und anhand der 17 Nachhaltigkeitsziele zu analysieren. Diese Herangehensweise ermöglicht es auch anderen Organisatoren, eigene Stärken sichtbar zu machen und Entwicklungspotenziale zu erkennen.
SuperMoto GP of Germany im Überblick
| Veranstaltung | SuperMoto Grand Prix of Germany / Int. ADAC SuperMoto St. Wendel |
| Besonderheit | Einziger SuperMoto-WM-Lauf im Stadtgebiet weltweit |
| Veranstalter | ADAC Saarland e. V. |
| Austragungsort | St. Wendel (Stadtgebiet) |
| Teilnehmer | ca. 250 Fahrerinnen und Fahrer |
| Ehrenamtliche Helfer | rund 200–300 |
| Nachweisbare UN-Ziele (SDGs) | 15 von 17 Nachhaltigkeitszielen |
| Kooperationspartner | DMSB, FIM, FIME, XIEM, Stadt St. Wendel |
| Schwerpunkte | Soziale Teilhabe, Inklusion, Nutzung vorhandener Infrastruktur, regionale Wertschöpfung, Kreislaufwirtschaft |
| Zeitraum der Umsetzung | 2024 / Auszeichnung 2025 |