IDM: Doppelsieg für Florian Alt

In der Königsklasse IDM Superbike 1000 wurde der Gesamt-Führende Ilya Mikhalchik (EGS-alpha-Van Zon-BMW) seinem Spitznamen „Iceman“ gerecht. Nach den beiden Podiumsplätzen in der Steiermark verzog der Ukrainer keine Miene, erst später war der Anflug eines Lächelns erkennbar. Grund seiner sich langsam auflösenden Verstimmung: Er hatte keines der beiden Rennen gewonnen.

Beide Siege gingen an den überragenden Florian Alt (Wilbers-BMW-Racing), der schon im Training dominiert hatte. Nach einem verkorksten Saisonauftakt und seinem Fehlen bei der Veranstaltung im tschechischen Most spülte der Triumph den Nümbrechter nun binnen eines Wochenendes vom zehnten auf den dritten Platz in der Tabelle.

Dem zweifachen Titelträger Mikhalchik kann der Deutsche auf dem Weg zur dritten Meisterschale trotz des tollen Wochenendes in der Steiermark nicht mehr gefährlich werden. Dafür trennen die Beiden zu viele Punkte. Theoretische Chancen hat aber noch Valentin Debise (Kawasaki Weber-Motos Racing). Diese haben auf dem Red Bull Ring zwar abgenommen, denn Debise kam in beiden Läufen als Vierter ins Ziel. Aber die Rechnung wird erst ganz zum Schluss gemacht.

Im ersten Lauf wurde das Podium neben Alt und Mikhalchik durch Markus Reiterberger (BCC Racing) vervollständigt, im zweiten durch Luca Grünwald (Kiefer Racing), der zum vierten Mal im Superbike-Premierenjahr seines Teams auf dem Treppchen stand.

Im zweiten Rennen präsentierten sich die einheimischen Fahrer besonders stark. Das Österreich-Trio mit Jan Mohr (EGS-alpha-Van Zon-BMW), Nico Thöni (Kawasaki Weber-Motos Racing) und Philipp Steinmayr (Team Ratezi)  raste in die Top Ten und das auf drei verschiedenen Marken.

In der IDM Supersport 600 hatte Patrick Hobelsberger (Bonovo action by MGM Racing) im ersten Rennen mit technischen Problemen am Motorrad zu kämpfen. Mehr als der fünfte Platz war nicht drin. Den Sieg trug ausgerechnet Valentin Debise (Kawasaki Weber-Motos Racing) davon, sein größter Konkurrent im Titelkampf. Der Franzose trat wie immer als Doppelstarter in zwei Klassen an. Die französische Supersport 600-Meisterschaft hat er bereits unter Dach und Fach gebracht, die deutsche soll die nächste werden. Kevin Wahr (MVR-Racing) hatte Debise rundenlang unter Druck gesetzt, musste aber passen. Der Nagolder wurde Zweiter.

Den zweiten Lauf konnte aber Hobelsberger vor Debise gewinnen, somit übte der Bayer Schadensbegrenzung. Dritter wurde in beiden Läufen Thomas Gradinger (Eder-Racing). Er wollte bei seinem Heimrennen unbedingt aufs Podium, auch wenn er in diesem Fall seinem Yamaha-Markenkollegen und Titelfavoriten Hobelsberger ein paar Meisterschaftspunkte raubte. Doch der Österreicher hielt herzerfrischend fest: „Ich konnte Pax überholen. Für ihn tut´s mir leid, er ist sicher angepisst, aber das ist Racing.“

Auch in der IDM Supersport 300, der Nachwuchsklasse im Programm, gab es keine Geschenke. Dass Victor Steeman den ersten Lauf für sich entschied, war keine Überraschung. Das Freudenberg KTM WorldSSP hatte seinen WM-Fahrer für einen Gaststart eingeladen mit erweiterter Funktion als Tipp-Geber für die vier IDM-Fahrer der Mannschaft. Steeman ist momentan Fünfter in der Supersport 300-Weltmeisterschaft. Auf dem Red Bull Ring fuhr er außerhalb der Wertung im ersten Rennen mit.  

Einen Meister-Moove zeigte in der finalen Runde des ersten Laufes Lennox Lehmann (Freudenberg KTM WorldSSP Team, 15). Der Titelverteidiger schlüpfte in der letzten Kurve noch innen an seinem Kontrahenten Luca De Vleeschauwer (Füsport-RT Motorsports by SKM-Kawasaki, 18) durch. Der Belgier erreichte mit dem dritten Platz wiederum sein bisher bestes Saisonergebnis.

Mit einem Fotofinish und Doppelsieg für das Füsport-RT Motorsports by SKM-Kawasaki-Team endete das turbulente zweite Rennen. Luca De Vleeschauwer (18) siegte mit einem Vorsprung von zwölf Tausendstelsekunden vor Marvin Siebdrath. Dritter wurde Leo Rammerstorfer (Freudenberg KTM WorldSSP Team, 17). Der Österreicher ist eng mit seinem Teamkollegen Lennox Lehmann befreundet, der zwei Wochen zu Besuch bei ihm war. „Wir haben ein bisschen mit E-Crossmotorrädern trainiert“, verriet Lehmann, „aber nicht so viel wie wir wollten, weil sich die Nachbarn beschwert haben.“ Für Rammerstorfer hat es sich aber gelohnt. Der dreifache Laufsieger Dirk Geiger, der bisher zum Kreis der Titelanwärter zählte, muss sich jegliche Hoffnungen abschreiben. Probleme mit der Elektronik machten  ihn auf dem Red Bull chancenlos.

In der IDM Sidecar dominierten die WM-Gespannteams, die auf dem Rückweg von Rijeka in Richtung Heimat auf dem Red Bull Ring einen Stopp einlegten. Der WM-Zweite Todd Ellis feierte mit seiner Beifahrerin Emmanuelle Clèment (Santander Salt/LCR F1, 600 cm³) seinen Einstand mit neun Sekunden Vorsprung vor dem Feld, in dem es umso enger zuging.

Tim Reeves/Kevin Rousseau (Bonovo Action Team/Adolf RS F1) beharkten sich mit Pekka Päivärinta/Ilse De Haas und Markus Schlosser/Marcel Fries (Team Schlosser/LCR F1, 600 cm³). Reeves, der am Samstag seinen 49. Geburtstag hatte, ging als Gewinner der Positionswechsel hervor, Schlosser folgte ihm. Die IDM-Führenden Josef Sattler und Luca Schmidt (Bonovo Action Team/Adolf RS F1) beendeten den Lauf auf Rang sechs.

Todd Ellis gewann auch das zweite Rennen vor dem achtfachen Weltmeister Tim Reeves.  „Wir hatten heute einen richtigen Zweikampf auf Augenhöhe. Genau das, was wir wollten“, sagte Reeves im Anschluss. Auch Ellis war sich sicher, den Zuschauern guten Rennsport geboten zu haben. Sattler/Schmidt wurden nach drei Rennen ohne Podestplatz diesmal als Dritte abgewunken. „Nach diesem Wochenende kann ich endlich wieder ruhig schlafen“, sagte Sattler ausgelassen nach dem Rennen.

Weil auch im IDM Superstock 600-Cup, dem Austrian Junior Cup sowie im Yamaha R3 bLU cRU Cup und dem Northern Talent Cup um Punkte gekämpft wurde, gab es in der Steiermark erstklassige Unterhaltung.

„Unser Comeback auf dem Red Bull Ring war ein voller Erfolg. Wir sind an einen Ort zurückgekehrt, der den Rennsport in vollen Zügen lebt“, resümiert IDM-Serienmanager Normann Broy. „Es gab spannende Rennen und Überraschungen in allen Klassen und das Wetter war besser als die Vorhersage. Die Weichen für das IDM-Finale vom 24. bis 26. September 2021 sind nun gestellt. Das Beste ist: In keiner IDM-Klasse wurde in diesem Jahr vorzeitig der Sieger gekürt. Das hatten wir lange nicht. Es bleibt also spannend.“

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